Der Filmblick

von Jens Schlüter

Kritik: Wanted

Wenn Kugeln um Schweinehälften eine Kurve fliegen, wenn Menschen von einem Wolkenkratzer hinüber zum anderen Gebäude springen und Fliegen die Flügel einzeln abschießen können, dann sitzt man in Timur Bekmambetovs erster amerikanischer Großproduktion mit dem Titel Wanted.

Ich kannte deinen Vater. – Mein Vater verschwand kurz nach meiner Geburt, also… – Dein Vater starb gestern auf dem Dach des Metropolitan Buildings. Tut mir Leid! – Ähm, den Alkohol finden Sie dort hinten. – Dein Vater war einer der größten Killer aller Zeiten. Sein Mörder steht hinter dir! - Fox versucht Wesley aus der Schussbahn des Killers Cross zu retten.

Plot: Wesley (James McAvoy) ist ein Niemand. Er sitzt in einem schäbigen Großraumbüro und lässt sich dort von seiner magersüchtigen Chefin drangsalieren, während sein bester Freund mit seiner Freundin auf dem Küchentisch eine Nummer schiebt. Wenn er seinen Namen in die Suchmaschine Google eingibt, erhält er nicht einmal einen einzigen Treffer. Doch sein Leben soll sich schlagartig ändern, als er eines Tages in einem Supermarkt der reizenden Fox (Angelina Jolie) begegnet. Die verrät ihm nämlich, dass er von einem Killer verfolgt wird, der auch schon seinen Vater aus dem Weg räumte. Wesley wird aufgenommen in die Bruderschaft, einer Gesellschaft von Killern, die dazu bestimmt ist, die Welt in Balance zu halten und das Schicksal mitzubestimmen. Dafür sind sie mit besonderen, übermenschlichen Fähigkeiten gesegnet, die der charismatische Anführer Sloan (Morgan Freeman) in Wesley wecken will, um ihn anschließend auf die Jagd nach dem Mörder seines Vaters zu schicken.

Kritik: Timur Bekmambetov, Regisseur des russischen Überraschungserfolgs Wächter der Nacht – Nochnoi Dozor, hat bei Wanted zum ersten Mal in einer amerikanischen Großproduktion die Zügel in die Hand genommen und ein actiongeladenes, sowie visuell beeindruckendes Stückchen Film auf Zelluloid gebannt, dass einem die Kugeln nur so um die Ohren fliegen.
Die Idee zum Film entsprang, wie bei Actionfilmen dieser Tage üblich, einer Graphic Novel (ok, Comics sind nicht immer die Vorlage, Computerspiele erfreuen sich genauso großer Beliebtheit) mit gleichem Titel. Aber Bekmambetovs Inszenierungstil sitzt einfach wie angegossen. Keine Szene ist langweilig anzusehen, immer kurz vor dem visuellen Overkill, aber niemals darüber. Grandios die Actionsequenz in der Wesley sich beidhändig schießend durch die Fabrikhalle kämpft. Das ist John-Woo-Kino vom Feinsten, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat, gepaart mit einem gehörigen Schuss Ironie. Kinder haben in diesem Film übrigens nichts zu suchen!
Die Darsteller fügen sich perfekt in die Geschichte ein: James McAvoy (Abbitte, Geliebte Jane) ist als Loser klasse und als Killer genauso. Angelina Jolie… der Wahnsinn: entweder man liebt sie, oder man hasst sie, aber letzteres kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Sie hat eben das gewisse Etwas, selbst wenn sie nur gelangweilt an eine Säule gelehnt im Raum steht. Und Morgan Freeman, der in Bruce Allmächtig, schon gezeigt hat, dass er auch einen überzeugenden Gott spielen kann, ist in der Rolle des gottgleichen Sloan selbstredend erstklassig. Cool ist auch die Performance Thomas Kretschmanns, der hier mal ausnahmsweise etwas mehr zeigen darf, als in vielen anderen seiner US-Rollen.
Wanted nun aber in den Himmel zu loben würde dem Film allerdings zu viel Gutes tun. Die Handlung und Dialoge sind nicht gerade das Gelbe vom Ei. Oft meint man, die Gespräche der Protagonisten doch schon einmal irgendwo zumindest so ähnlich gehört zu habenwas dann manchmal einen gewissen „Bla-Bla-Eindruck” hinterlässt. Der Storytwist im letzten Drittel tut der Handlung sehr gut. Aber oft sind die Veränderungen die die Charaktere im Lauf der Geschichte durchmachen etwas übereilt und wirken unglaubwürdig. Besonders auffällig Wesleys Wandlung vom Normalo zum kaltblütigen Killer. Auch Angelina Jolies Charakter nimmt eine Wandlung, die man ihr nicht unbedingt so schnell abnehmen möchte. Weiterer Kritikpunkt sind die immer wieder höchst offensichtlichen Spezialeffekte: Egal ob ein Auto gerade in einen Zug rast oder auf der Breitseite eines Linienbusses beschleunigt. Dass das nicht echt ist sieht auch jemand dessen Adrenalinausschüttung ganz gewöhnliche Mengen erreicht.

Andererseits: Was soll’s?! Die Story ist ohnehin so überzogen und selbstironisch, dass man das alles gar nicht ernst nehmen kann. Es gefällt auch, dass die ursprünglich gemachten Aussagen, dass es Menschen geben muss, die das Gleichgewicht herstellen und die Bösen aus dem Weg räumen, um andere Menschen zu schützen, am Ende schön auf den Kopf gestellt wird. Damit verkommt der Film wenigstens nicht als tumber No-Brainer.

Fazit: Wanted ist perfektes Actionkino mit kleinen Mankos, die angesichts der visuellen Perfektion und Selbstironie, kaum ins Gewicht fallen. Unterhaltung für Erwachsene pur und damit verdiente 8 von 10 sprengstoffbestückte Kampfratten.

- Jens Schlüter -

Wanted

Action, USA 2008, 110 Minuten, FSK: Keine Jugendfreigabe, Prädikat: wertvoll

Originaltitel: Wanted; Deutschlandstart: 04.09.2008 (Universal Pictures International); Regie: Timur Bekmambetov

Mit James McAvoy (Wesley), Morgan Freemann (Sloan), Angelina Jolie (Fox), Terence Stamp (Pekwarsky), Thomas Kretschmann (Cross) u. a.

Die Seite zum Film im Netz: www.wanted-film.de

Eine Reaktion zu “Kritik: Wanted”

  1. Christian

    Hast absolut Recht, fand den Film so was von Klasse :) Der Film selbst ist zwar äußerst unrealistisch aber so was von cool gemacht =)

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