Der Filmblick

von Jens Schlüter

Kritik: I Am Legend

Ein New York, das wirkt wie eine Geisterstadt und auch tatsächlich Geister beherbergt, wie Will Smith als letzter Mensch auf der Erde schnell feststellen muss. I Am Legend, der in Amerika das beste Einspielergebnis erzielte, das ein Film im Monat Dezember jemals erreichte, nun also auch in den deutschen Kinos. Ob dieser Rekord auch für ein gelungenes Filmerlebnis sorgt erfährt der interessierte Leser im kompletten Beitrag.

Mein Name ist Robert Neville. Ich bin ein Überlebender in New York City. Ich sende auf allen Frequenzen. Ich bin jeden Tag am South Street Sea Port um die Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht. Wenn ihr da draußen seid. Wenn irgendjemand da draußen ist: Ich kann Nahrung bieten, ich kann Unterkunft bieten, ich kann Schutz bieten. … Wenn irgendjemand da draußen ist, irgendjemand, bitte: Du bist nicht allein. – Roberts tagtägliche Funkdurchsage.

Plot: Robert Neville ist der letzte lebende Mensch auf der Welt. Durch ein gentechnisch verändertes Virus wurde es möglich Krebs zu heilen. Die Euphorie hielt nicht lange an, als sich das Virus plötzlich über die Luft verbreitete und 90% der Weltbevölkerung in seelenlose Vampire verwandelte, die über die restlichen nicht infizierten Menschen herfielen und töteten. Seitdem streift Robert Neville mit seinem Schäferhund Sam durch die Straßen New Yorks, sendet täglich einen Funkspruch in die Welt hinaus, um nach Überlebenden zu suchen und forscht gleichzeitig an einem Heilmittel gegen das Virus, an dessen Entwicklung er zuvor als Angehöriger des Militärs mitgearbeitet hatte. Während der Wissenschaftler tagsüber vor den Vampiren sicher ist, bleibt ihm in der Dunkelheit nur die Hoffnung und sein Sturmgewehr.

Kritik: I Am Legend ist einer der Filme, die man sich am besten anschaut, ohne vorher viel über den Inhalt gehört zu haben. Dass es sich um ein Endzeitspektakel handelt, weiß man ohnehin, aber richtig genießen kann man das Kinogroßereignis, das dem Cineplex am Samstag des Startwochenendes seit langem mal wieder eine ausverkaufte Vorstellung bescherte, erst dann, wenn man noch keine Hinweise über den Verlauf des Films erfahren hat. Deshalb bitte ich alle Interessierten, so sie denn noch einen Kinobesuch in Erwägung ziehen, von dieser Kritik allenfalls nur noch das Fazit zu lesen. Ein Kinobesuch ist aber in jedem Fall empfehlenswert ganz allein deshalb, um die tolle Atmosphäre des Films in epischer Größe zu erfahren.

Will Smith‘ One-Man-Show I Am Legend, basiert auf der gleichnamigen Novelle von Richard Matheson und hat wahrlich große Schauwerte. Egal ob er nun mit seinem Mustang durch die menschenleeren Straßen New Yorks rast, Golf auf einem Flugzeugträger spielt oder am East River auf Kontakt zur Außenwelt wartet, die Aufnahmen sind allesamt phantastisch gelungen und beeindruckend anzuschauen. Wenn er zudem nur in Begleitung seines Schäferhundes Sam umherzieht, geht es schon gespenstisch zu, obgleich noch nicht ein einziges Ungeheuer zu sehen ist. Aber man muss dennoch nicht lange darauf warten, denn wenn die Handlung erst einmal in Gang gebracht ist und es dunkel wird, sorgt allein das Geheul der mutierten Menschen für Gänsehaut. So gibt es dann über den Film verteilt jede Menge Schockmomente, und Ereignisse mit tragischem Charakter, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Soviel sei garantiert!
Will Smith trägt diesen Film im Prinzip allein, die wenigen Nebendarsteller bekommen nur wenig Raum zum Agieren. Das ist aber nicht weiter problematisch, denn genau daraus resultiert die dichte Atmosphäre. Der einzige Nebendarsteller, der in diesem Film neben Will Smith glänzen kann, ist der Schäferhund Sam, der ihm als treuer Weggefährte stets zur Seite steht und für einige wirklich rührende Momente sorgt.
Was nicht so gut an I Am Legend gefällt, ist die Story. Zunächst sehr ausführlich erzählt, tut sie gut daran sich Zeit zu nehmen, um eine authentische Atmosphäre aufzubauen. Dann aber kippt sie auf dem Höhepunkt der Geschichte plötzlich um, und bevor man sich versieht, ist der Film bereits zu Ende. Außerdem wird der Film getragen von allerlei religiöser Symbolik, angefangen beim Schmetterling (Symbol der Auferstehung und Seele), über die Metaphorik des Lichts, bis hin zur Auflösung der Geschichte. Das ist mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack. Weiterer kleiner Minuspunkt sind die diversen Logikfehler: Autos, die so sauber und neu aussehen, dass sie nicht in einen Endzeitfilm hineinpassen; Gras und Unkraut, das nach bereits drei Jahren die Teerdecke der Straßen durchbrochen hat; oder Vampire, denen kurz zuvor noch sämtliche menschlichen Eigenschaften abgesprochen wurden, sind plötzlich höchst intelligent. Diese tun aber der Atmosphäre des Films insgesamt keinen großen Abbruch.

Fazit: 8 von 10 auf morgen verschobene Hallos für einen spannenden Endzeitstreifen mit beeindruckenden Bildern und so manchen Schockmomenten, aber auch mit einem übereilten Ende und einer merkwürdigen religiösen Botschaft.

- Jens Schlüter -

I Am Legend
Endzeit-Thriller, USA 2007, 105 Minuten, ab 16

Originaltitel: I Am Legend; Deutschlandstart: 10.01.2008 (Warner); Regie: Francis Lawrence

mit Will Smith (Robert Neville), Alice Brag (Anna), Dash Mihok (Alpha Male), Salli Richardson (Zoe), Willow Smith (Marley) u. a.

Die Seite zum Film im Netz: wwws.warnerbros.de/iamlegend

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